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Mittwoch, 10. März 2010 12:49 Uhr Alter: 3 Monat(e)
Kategorie: Wissenschafts-News

Assoziation zwischen Hypertonie und erniedrigten 25-Hydroxy-Vitamin D-Spiegeln bei älteren Menschen


Abb. 1

Almirall J, Vaqueiro M, Baré ML et al. Association of low serum 25-hydroxyvitamin D levels and high arterial blood pressure in the elderly. Nephrology Dialysis Transplantation 2010; 25:503-509

Der Vitamin D- und Calciumstoffwechsel ist am Wachstum glatter Muskelzellen, der Endothelfunktion sowie der Blutdruckregulation beteiligt. Die daraus entstehenden pathophysiologischen Zusammenhänge waren schon oft Gegenstand klinischer Studien, jedoch mit zum Teil widersprüchlichen Ergebnissen. Obwohl die optimalen Serumspiegel noch Gegenstand der Diskussion sind, wird seitens der Leitlinien empfohlen, dass ein Bereich von 20-30 ng/ml nicht unterschritten werden soll [1]. Ein Vitamin D-Mangel ist in der Allgemeinbevölkerung häufig, insbesondere bei älteren Menschen ist die Prävalenz sehr hoch (24-70%) [2, 3]. In der vorliegenden Studie wurde die Assoziation zwischen dem 25(OH)-D-Spiegel im Serum und dem arteriellen Blutdruck untersucht und ausgewertet. Die gesamte Erhebung erfolgte im Winter (Januar bis März), um saisonale Einflüsse auszuschalten.

Als Referenzgebiet wurden Daten einer epidemiologischen Querschnittsstudie herangezogen, welche die Prävalenz einer Vitamin D-Hypovitaminose analysieren sollte. Aus fünf Einrichtungen der medizinischen Grundversorgung wurde eine repräsentative Zufallsstichprobe von Menschen über 65 Jahren (71,7 ± 5,3 Jahre) gezogen. Es gab eine Reihe von Ausschlusskriterien wie beispielsweise eine bekannte CKD (chronic kidney disease), Kreatininerhöhung, entzündliche oder gastrointestinale Erkrankungen, Malabsorption, Malignomerkrankung, Alkoholkonsum (>40g/d), oder Therapie mit Vitamin D-Präparaten. Von 554 telefonisch kontaktierten Personen konnten schließlich 237 (53% weiblich) in die Studie eingeschlossen werden. Die Probanden erhielten einen Anamnese-Fragebogen (Größe, Gewicht, Diabetes, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme etc.), dann erfolgten eine ärztliche Untersuchung und die dreimalige automatisierte Blutdruck-messung durch eine Krankenschwester. Im Blut wurden Serum-25(OH)-D, Parathormon, Kreatinin, Harnstoff, Calcium, Albumin und Lipidstatus bestimmt. Die GFR wurde mit der MDRD-Formel berechnet. Eine Vitamin D-Hypovitaminose war definiert als Serum-25(OH)-D-Spiegel < 25 ng/ml, der Spiegel, bei welchem die PTH-Erhöhungen begannen.

Im Ergebnis wurden Probanden mit Serum-25(OH)-D-Spiegel über und unter 25 ng/ml verglichen (Normalbereich versus Hypovitaminose). Bei der „Normal“-Gruppe war der PTH-Mittelwert 52 ± 20,9 ng/l, bei der Hypovitaminose-Gruppe 61,4 ± 26,4 ng/l (p=0,05). Keine signifikanten Unterschiede bestanden zwischen beiden Gruppen hinsichtlich Alter, Geschlecht, BMI, Kreatinin (1,07 ± 0,2 mg/dl versus 1,0 ± 0,18 mg/dl), Harnstoff, Albumin und GFR.

Der Serum-25(OH)-D-Spiegel aller Probanden lag zwischen 5–54 ng/ml, im Mittel 17,21 ± 7,57 ng/ml. 86% hatten Werte unter 25 ng/ml. Der mittlere Blutdruck aller lag bei 138,8 ± 14 mmHg systolisch und 80 ± 7,4 mmHg diastolisch. 46% nahmen Antihypertensiva ein.

Es zeigte sich eine signifikante, negative Korrelation zwischen den Serum-25(OH)-D-Spiegeln und dem systolischen (r = -0,153, p = 0,018) und diastolischen Blutdruck (r = –0,152, p = 0.019). Diese Korrelation blieb auch bestehen, nachdem mögliche Störvariablen mittels multivariater Analysemethoden ausgeschlossen worden waren (Abb. 1).
Die Autoren nennen auch eine wichtige Schwäche der Studie: Als bloße Querschnitts-erhebung kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein Vitamin D-Mangel ein Marker einer unspezifischen Krankheit sein könnte und mit dem Blutdruck nicht direkt zusammenhängt.
Dennoch repräsentiert die Studie durch etliche Ausschlusskriterien eine Kohorte „gesunder Menschen über 65 Jahren“, bei welchen niedrige Serum-25(OH)-D-Spiegel invers und unabhängig mit dem Blutdruck assoziiert waren. Auch wenn Assoziationen keine Kausalität beweisen, so könnten Maßnahmen zur Vermeidung eines Vitamin D-Mangels in dieser Population, nicht nur wegen des Knochen- und Skelettsystems, sondern auch wegen der möglichen Positiveffekte auf den Blutdruck und das ganze kardiovaskuläre System wichtig sein.

Abb.1:
Korrelation zwischen Blutdruck (BP systolisch und diastolisch) und 25(OH)-D-Spiegeln. 
Völlig lineare Regressionsgleichungen für die gesamte Population:
systolic BP = 143.7 – 0.29 x 25(OH)-D (P = 0.018)
diastolic BP = 82.5 – 0.15 x 25(OH)-D (P = 0.019)

[1] Holick MF. High prevalence of vitamin D inadequacy and implications for health. Mayo Clin Proc 2006; 81: 353–373

[2] Malabanan A, Veronikis IE, Holick MF. Redefining vitamin D insufficiency. Lancet 1998; 351: 805–806


[3] Norman AW, Bouillon R,Whiting SJ et al. 13thWorkshop consensus for vitaminDnutritional guidelines. J Steroid Biochem Mol Biol 2007;103: 204–205