Kategorie: Wissenschafts-News
IDEAL Trial: Später Dialysebeginn nicht zwingend nachteilig
Prof. Bruce A. Cooper (St. Leonards, Australia); Prof. David C.H. Harris (Sydney, Australia)
Seit jeher wird befürchtet, dass ein später Dialysebeginn sich negativ auf die Prognose der Betroffenen auswirken könnte. Die IDEAL-Studie, eine prospektive randomisierte Studie, die in Australien und Neuseeland durchgeführt und in München auf den ERA-EDTA/DGfN-Kongress vorgestellt wurde, zeigte nun, dass diese Sorge weitestgehend unbegründet ist.
828 Patienten wurden randomisiert und begannen entweder mit der Dialyse bei einer glomerulären Filtrationsrate/GFR von 10-14 ml/min/1.73m2 (“früher Beginn”) oder bei einer 5-7 ml/min/1.73m2 (“später Beginn“). Das überraschende Ergebnis: In der Patientengruppe, die bereits früh mit der Dialyse begann, wurde entgegen der allgemeinen Erwartung keine Verbesserung hinsichtlich des Überlebens oder der klinischen Outcomes beobachtet.
Die Autoren schlussfolgerten, dass der Dialysebeginn nicht allein an der GFR festgemacht, sondern von klinischen Faktoren abhängig gemacht werden sollte.
Dieses Erkenntnis hat eine große gesundheitsökonomische Relevanz: Bei den Patienten, die keine klinischen Zeichen der Urämie zeigen, wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Appetitlosigkeit, Überwässerung, wäre es möglich, die Dialysebehandlung später zu beginnen. Außer bei Patienten mit diabetischer Nephropathie könnte man laut Ergebnissen der Studie warten, bis die GFR unter 7 ml/min abfällt.