Nieren- und Harnleitersteine - ein Fall für Nephrologen und Urologen
Eiweißreiche Kost steigert die Ausscheidung von Kalziumsalzen und Harnsäure über die Nieren. Diese Substanzen spielen bei der Entstehung der Nierensteine eine wichtige Rolle. Es ist also kein Wunder, dass in unserer Wohlstandsgesellschaft die Zahl der "Stein-Träger" zunimmt (heutzutage sind fast 5% der Menschen betroffen, Männer doppelt so häufig wie Frauen). Entwicklungsländer kennen dieses Problem dagegen kaum.
Wie entstehen Nierensteine?
Die Zusammensetzung des Urins ist entscheidend für die Entstehung von Nierensteinen. Hohe Konzentrationen von Kalziumsalzen (z.B. Kalzium-Oxalat) sind in 75 Prozent die Ursache für Steine in den Nieren oder ableitenden Harnwegen. Jeder siebte Deutsche bekommt im Laufe seines Lebens Nierensteine. Die Salze im Urin lagern sich aneinander an und bilden Kristalle: Je mehr und je länger Salze in den Urin ausgeschieden werden, umso größer können diese Kristalle werden und letztlich zu Steine werden.
Neben bestimmten Ernährungsgewohnheiten, Stoffwechselstörungen oder einer erblichen Veranlagung begünstigen verschiedene Faktoren die Steinentstehung.
Dazu gehören Entzündungen (Harnwegsinfekte) und Abflussbehinderungen in den Harnwegen, Flüssigkeitsmangel (zu geringe Trinkmenge, heißes Klima mit verstärktem Schwitzen) und Bewegungsmangel.
Größe und Lage der Steine bestimmen die Symptome
Ob die Steine Beschwerden machen, hängt von ihrer Größe und Lage ab. Steine können durch die Harnleiter von der Niere zur Blase wandern. Sehr kleine Steine (unter 2 Millimeter Durchmesser) bahnen sich ihren Weg meist unbemerkt durch die Harnleiter und werden mit dem Urin ausgeschieden.
Größere Steine berühren bei ihrem Weg die Wände des Harnleiters und lösen dadurch kolikartige Schmerzen im Rücken, den Flanken oder im Genitalbereich aus. Verletzt der Stein die Harnleiterwand, kann dies zu einer Blutung führen, die den Urin rot färbt. Manchmal bleibt der Stein auch im Harnleiter stecken, der Urin kann nicht mehr abfließen und staut sich zurück bis in die Niere.
Ab etwa einem Zentimeter Durchmesser passt ein Stein meist gar nicht mehr in den Harnleiter und bleibt im Nierenbecken liegen. Nimmt er an Größe zu, kann ein dumpfer Schmerz in der Nierengegend auf seine Existenz aufmerksam machen. Wichtige Komplikation von Steinen kann eine Harnwegsinfektion sein. Wird diese nicht rechtzeitig mit Antibiotika behandelt, kann die Entzündung auf den ganzen Körper übergreifen und zu einer Sepsis (Blutvergiftung) führen.
Behandlung von Nierensteinen: Erst zum Nephrologen, dann zum Urologen!
Nierensteine sind meist leicht zu diagnostizieren, meist genügt dazu eine Untersuchung mit dem Ultraschallgerät (Sonografie).
Verursachen sie auf ihrem Weg durch den Harnleiter Schmerzen, können krampflösende und schmerzlindernde Medikamente gegeben werden. Zusätzlich hilft es, viel zu trinken: Dadurch steigt die Urinmenge und der Stein kann besser "ausgeschwemmt" werden. Auch Wärmeanwendung und Bewegung (Hüpfen) können den Steinabgang fördern. Wenn diese Maßnahmen nicht helfen, werden vom Urologen operative Maßnahmen ergriffen.
Ist ein Stein abgegangen und konnte er in einem Sieb oder Behälter aufgefangen werden, untersucht man unbedingt seine Zusammensetzung (Kalzium-Oxalat, Harnsäure, Zystin, Kalzium-Phosphat, Magnesium-Ammonium-Phosphat, Xanthin oder sogenannte Mischsteine). Die Zusammensetzung hat eine entscheidende Bedeutung, denn die Kenntnis ermöglicht eine gezielte Beratung über Ernährung und den Einsatz von Medikamenten. So kann bei reinen Harnsäuresteinen oft eine medikamentöse Litholyse (Steinauflösung) gelingen.
Es sollte immer die Ursache der Nierensteine diagnostiziert werden, denn der Stein ist nur das Symptom der Erkrankung, nicht der Erkrankung selber! Die Entstehung von Nierensteinen kann oftmals konservativ (also z.B. mit Medikamenten) behandelt werden. Insbesondere bei Kindern sind Nierensteine sogar häufig ein Hinweis für eine Stoffwechselstörung (z.B. primäre Hyperoxalurie, Zystinsteine), so dass hier stets zuerst ein Kindernephrologe zu Rate gezogen werden sollte. Aber auch im Erwachsenenalter sind Nierensteine keine lästige Alterserscheinung, sondern müssen ernst genommen werden, da sie schlimmstenfalls zum Nierenversagen führen können. Daher ist stets eine nephrologische Abklärung empfehlenswert, oft auch bevor ein Urologe zur Steinentfernung hinzugezogen wird. Einzige Ausnahme: der obstruktive, d.h. komplikative Nierenstein!
Die urologische Therapie von Nierensteinen besteht oftmals in der Stoßwellentherapie ("ESWL" Extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie) von außen, durch die Steine zerkleinert werden. Über eine vorher eingelegte Harnleiterschiene können die Bruchstücke dann ausgeschieden werden. Bei Steinen im Harnleiter kann der Stein auch mit einem Endoskop, welches über die Harnröhre eingeführt und über die Blase weiter in den Harnleiter geschoben wird, geborgen werden (Ureterorenoskopie/URS, Schlingenextraktion).
Bei der perkutanen Nephrolitholapaxie (PCNL) wird von außen eine Punktionsnadel in die Niere geführt, und durch diesen Kanal mit optischen und zangenähnlichen Instrumenten unter Sicht der Stein zertrümmert und entfernt.
Eine offene urologische Operation ist heutzutage nur noch selten erforderlich.
Prophylaxe ist wichtig!
Da sich bei jedem zweiten Patienten erneut Steine bilden, wird empfohlen vorzubeugen. Dazu muss aber zuerst die Grunderkrankung, die zum Steinleiden geführt hat, erkannt sein um spezifisch behandeln zu können. Nicht nur bei Harnsäuresteinen wird eine fleisch- und fettarme Kost empfohlen, unbedingt sollte die Trinkmenge auf hohem Niveau gehalten werden und auch der Verzicht auf oxalathaltige Speisen (Spinat, Rhabarber) kann helfen. Solche "Diäten" machen jedoch nur Sinn, wenn die Zusammensetzung bzw. Ursache der Steine bekannt ist und wenn diese mit dem behandelnden Arzt abgesprochen ist. Unbedingt zu beachten ist, dass bei kalziumhaltigen Steinen eine kalziumarme Diät nicht sinnvoll ist.