Glomerulonephritis
Der Begriff "Glomerulonephritis" fasst eine ganze Reihe verschiedener Nierenerkrankungen zusammen. Gemeinsam ist ihnen allen der Ort des Krankheitsgeschehens: die so genannten Glomeruli. In beiden Nieren gibt es etwa je 1 Million dieser "winzigen Filterstationen".
Als Glomeruli bezeichnet man die "Mikrofilter" der Niere, die Mineralstoffe, Stoffwechselabbauprodukte, Eiweiße und vor allem Flüssigkeit aus dem Blut "abpressen". Der Begriff stammt vom lateinischen Wort "glomus" für "Knäuel" ab - tatsächlich ist ein Glomerulus ein winziges zusammengeknäueltes Blutgefäß. In den Glomeruli wird der sogenannte Primärharn gebildet: beim Erwachsenen sind das ca. 180 Liter pro Tag! Schädigungen dieser Glomeruli durch Entzündung charakterisiert die Glomerulonephritis. Glomerulonephritiden, d.h. Nierenkörperchenentzündungen, sind in einem von vier Fällen die Ursache einer terminalen Niereninsuffizienz, die eine Dialyse oder Transplantation notwendig macht.
Man unterscheidet Formen dieser Nierenschädigung, die auf die Nieren begrenzt bleiben, die "primären Glomerulonephritis" von Störungen, die durch Krankheiten außerhalb der Nieren entstehen (sekundäre Glomerulonephritis).
Entscheidend für die Behandlung einer Glomerulonephritis sind ihre Ursache und ihre Verlaufsform - akut oder chronisch.
Akute Glomerulonephritis (GN)
Dieser Erkrankung liegt eine akute Entzündung der Glomeruli zugrunde. Diese Entzündung wiederum kann verschiedenste Ursachen haben: Die GN kann nach bakteriellen und viralen Entzündungen sowie im Rahmen von sog. Systemerkrankungen (z.B. Vaskulitis, Lupus erythematodes) oder bei immunologisch bedingten Entzündungsprozessen der Niere auftreten. Gekennzeichnet ist die Erkrankung durch die Ausscheidung von Eiweiß und geringen Blutmengen in den Urin, die mit bloßem Auge meist nicht erkennbar sind. Zusätzlich können sich ein Bluthochdruck und Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen im Körper) entwickeln.
Eine sehr hohe Eiweißausscheidung im Urin (mehrere g/Tag) führt zu nachweisbarem Eiweißmangel im Körper, massive Beinschwellungen treten auf, manchmal Luftnot und die Fettwerte im Blut steigen an. Man nennt dieses schwere Krankheitsbild "nephrotisches Syndrom".
Die meisten akuten Glomerulonephritiden bereiten nur geringe Beschwerden und schädigen die Nieren nicht unbedingt auf Dauer - vorausgesetzt, sie werden rechtzeitig erkannt und behandelt.
Chronische Glomerulonephritis
Hier handelt es sich um eine langsam fortschreitende Form der Entzündung. Verschiedenste Schäden an den Glomeruli können dazu führen. Bei der Mehrzahl der Patienten geht dieser Nierenerkrankung kein akutes Stadium voran, das auf die drohende Gefahr hinweisen würde.
Die Krankheit beginnt schleichend und macht, solange die Niere noch gut funktioniert, kaum Beschwerden. Lediglich ein erhöhter Blutdruck kommt gehäuft vor. Untersucht man den Urin, so finden sich dort meist geringe Mengen Eiweiß und Blutspuren als erste Hinweise auf die Erkrankung, im weiteren Verlauf wird die Nierenschädigung auch im Blut sichtbar, wenn die Blutwerte der harnpflichtigen Substanzen ansteigen.
Eine chronische Glomerulonephritis ist meist nicht mehr heilbar, die Behandlung zielt vor allem darauf ab, den nierenbedingten Bluthochdruck gut einzustellen (>140/80 mmHg) und die Niere in ihrer Ausscheidungsfunktion zu unterstützen.