Akutes Nierenversagen
Bei akutem Nierenversagen (ANV) stellen die Nieren in kürzester Zeit ihre Funktion ein. Als Folge sammeln sich nicht mehr ausgeschiedene Giftstoffe im Körper an, und es kann bei fehlender Ausscheidung zu einer erheblichen Wassereinlagerung im Körper kommen. Ohne rasche Therapie ist dies lebensbedrohlich.
Mehr als zehn Prozent aller Patienten auf einer Intensivstation erleiden ein ANV. Prinzipiell ist das AVN reversibel, das heißt, es muss nicht zu einer dauernden Nierenschädigung kommen, denn die Nieren gehören zu den wenigen Organen, die sich auch von einem fast vollständigen Funktionsverlust wieder erholen können.
Ursachen
Gründe für die rasche Verschlechterung der Nierenfunktion gibt es viele: Sie reichen von Verbrennungen, schweren Infektionskrankheiten, postoperativen Komplikationen bis zu Harnabflussstörungen. Manchmal liegt bei schwer kranken Patienten eine Funktionsstörung mehrerer Organe vor (z.B. bei einer Sepsis im Rahmen einer Infektionskrankheit), hierbei ist das ANV Teil eines sog. Multiorganversagens.
Eine übersichtliche Einordnung der Ursachen wird möglich, wenn man sie nach ihrer Lage einteilt: Liegt der Grund "vor" der Niere, spricht man von einem prärenalen ANV. Liegt er in der Niere selbst, nennt man es renales AVN. Bei "nach" den Nieren, das heißt im ableitenden Harnleitersystem oder der Blase gelegenen Ursachen, spricht man von postrenalem ANV.
Zu einem prärenalen akuten Nierenversagen kommt es, wenn die Nieren nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Ursache dafür können unter anderem bestimmte Herzerkrankungen, Lungenembolien, massive Blutungen, schwere Entzündungen mit Kreislaufversagen, oder Medikamente sein.
Ein renales akutes Nierenversagen kann beispielsweise durch Entzündungen, Medikamente oder Störungen des Immunsystems ausgelöst werden.
Angeborene oder erworbene Abflussbehinderungen im Harnleiter oder in der Harnblase, zum Beispiel Steine, lassen den Urin nicht mehr abfließen, er staut sich zurück bis in die Nieren, die daraufhin ihre Funktionsfähigkeit einbüßen. Die Folge ist ein postrenales akutes Nierenversagen.
Therapie
So unterschiedlich die Gründe sind, die zu einem ANV führen, so vielfältig gestalten sich auch die Behandlungsmaßnahmen.
Beispielsweise werden bei Entzündungen Antibiotika eingesetzt, Steine durch operative Eingriffe entfernt, toxische Medikamente abgesetzt, Flüssigkeitsdefizite ausgeglichen, Herzkomplikationen therapiert. Häufig ist eine intensivmedizinische Überwachung notwendig.
Schaffen diese Behandlungsmaßnahmen nicht rasch Abhilfe, muß man ein Nierenersatzverfahren, z.B. die Hämodialyse (Blutwäsche) einsetzen. Diese wird solange durchgeführt, bis die Nieren wieder "anspringen", also ihre Funktion wieder aufnehmen.
Trotz rascher Therapie ist das ANV eine schwerwiegende Erkrankung im Rahmen eines Multiorganversagens mit hoher Sterblichkeitsrate. Das AVN ist in diesem Fall nicht die "eigentliche Krankheit", sondern Folge einer anderen schweren Grunderkrankung.