Nachruf auf Prof. Dr. med. Stefan Herget-Rosenthal

: Mit Prof. Dr. med. Stefan Herget-Rosenthal verliert die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie einen Kollegen, auf dessen Rat, Unterstützung und Verlässlichkeit wir über viele Jahre zählen durften. Sein plötzlicher und unerwarteter Tod im Alter von nur 61 Jahren erfüllt uns mit großer Bestürzung und tiefer Trauer.

Nach seinem Medizinstudium in Köln und Großbritannien widmete er sich über 30 Jahre lang der Nephrologie. Während und nach seiner Weiterbildung beschäftigte er sich im Universitätsklinikum Essen und bei einem Forschungsaufenthalt an der Indiana University, Indianapolis, USA wissenschaftlich insbesondere mit der akuten Nierenfunktionsverschlechterung und innovativen Biomarkern der Nierenfunktion. So war er Pionier bei der Entdeckung und Etablierung von Cystatin C als Indikator der Nierenfunktion bei akuten und chronischen Nierenkrankheiten. 2012 wurde er zum außerplanmäßigen Professor der Universität Duisburg-Essen ernannt und die ASN ehrte seine besonderen wissenschaftlichen Leistungen mit dem Titel Fellow of the American Society of Nephrology (FASN).

2008 übernahm Prof. Herget-Rosenthal die Leitung der Medizinischen Klinik am Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen. Dort entwickelte er die Klinik fachlich und strukturell kontinuierlich weiter und trug 10 Jahre lang zudem als ärztlicher Geschäftsführer Verantwortung für die Entwicklung des Krankenhauses.

Stefan Herget-Rosenthal war Arzt aus Überzeugung mit einem ausgezeichneten Ruf als Internist und Nephrologe. Sein berufliches Handeln wurde von einer unermüdlichen Neugier, wissenschaftlicher Offenheit und dem festen Willen getragen, seinen Patientinnen und Patienten bestmöglich zu helfen. Für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war er Vorbild und Mentor. Er förderte Eigenständigkeit, wissenschaftliches Denken und verstand es ausgezeichnet, Begeisterung für die Medizin und die Nephrologie zu vermitteln.

Der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie war er als Gründungsmitglied eng verbunden. Als Ländervertreter für Bremen vertrat er 16 Jahre lang im erweiterten Vorstand der DGfN die Interessen der nephrologischen Kolleginnen und Kollegen seines Bundeslandes. Darüber hinaus arbeitete er engagiert in den Kommissionen „Altersmedizin“, „Hygiene und Infektionsprävention“ sowie „Leitlinien“ mit. Auf ihn war stets Verlass. In der Ärztekammer Bremen war er Mitglied des Ausschusses „Ärztliche Weiterbildung“ und setzte sich mit großer Überzeugung für eine qualitativ hochwertige Weiterbildung ein.

Mit seiner zuverlässigen, kooperativen und ausgleichenden Art war Prof. Stefan Herget-Rosenthal ein sehr geschätzter Ansprechpartner in der Nephrologie und darüber hinaus. Diskussionen führte er sachlich und respektvoll, unterschiedliche Positionen brachte er mit Augenmaß und Integrität zusammen. Seine Stimme hatte Gewicht, weil sie auf Erfahrung, Fachkompetenz und einer tiefen Verbundenheit mit unserem Fach beruhte. Wer Stefan Herget-Rosenthal begegnete, erinnert sich an einen klugen und sympathischen Kollegen. Er verband wissenschaftlichen Anspruch mit klinischem Pragmatismus, Führungsstärke mit Kollegialität und fachliche Exzellenz mit großer Menschlichkeit.

Mit seinem Tod verlieren wir einen herausragenden Arzt, Wissenschaftler, Hochschullehrer und Freund. Wir werden Prof. Stefan Herget-Rosenthal in dankbarer Erinnerung behalten.

Wir trauern und sprechen seiner Familie unser tiefstes Beileid und unsere Anteilnahme aus.

Prof. Andreas Kribben und Prof. Jens Lutz für die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie

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