Nachruf für Prof. Dr. Michael J. Mihatsch

: Prof. Dr. Michael J. Mihatsch (Basel) ist am 19. September 2025 verstorben.

Prof. Dr. Michael J. Mihatsch

Mit größter Betroffenheit nimmt die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie den Tod von Professor Dr. Michael „Mike“ J.  Mihatsch zur Kenntnis. Er verstarb nach längerer Krankheit im Kreis seiner Familie in Basel.

Professor Mihatsch war für die deutsche und internationale Nephrologie eine große Inspiration. Er gehörte zu dem Kreis von Pathologen, die die Aufgaben ihres Fachgebietes einschließlich neuester Forschungsergebnisse in den Dienst der klinischen Medizin stellten. Damit hat er die klinische Nephropathologie über die Schweiz hinaus weltweit geprägt und kontinuierlich weiterentwickelt. Ausgangspunkt für Forschungsprojekte und Studien waren meist Beobachtungen bei Autopsien oder der Befundung im Biopsiematerial; die morphologische Veränderung als Forschungsimpuls - der klassische Ansatz eines Vollblutpathologen. Seine Beiträge zur Analgetika-Nephropathie, Calcineurin-Toxität der Niere, Nierentransplantatabstoßung und C4d als diagnostischen Marker sowie zur Polyoma-BK-Virus Nephropathie waren herausragende Beiträge zu neuen diagnostischen Konzepten oder auch neuen Erkrankungen. Sein vor fast 50 Jahren zusammen mit Professor Zollinger verfasstes Lehrbuch „Renal Pathology in Biopsy“ war bahnbrechend und hat bis heute, im Nachdruck seit 2011 wieder erhältlich, nichts an Relevanz eingebüßt. Ein von Professor Mihatsch mit großer Genugtuung erzielter Erfolg war sicherlich sein entscheidender Beitrag zum „Verschwinden einer Nierenkrankheit“, d.h. der Analgetikanephropathie nach Verbot von Phenacetin. War in den 80iger Jahren noch die Hälfte der Urämiefälle in der Schweiz auf Phenacetinabusus zurückzuführen, so berichtete Prof Mihatsch in 2006, dass die Analgetikanephropathie im Autopsiegut in Basel verschwunden sei – dem Einfluss der Pathologie, Autopsiediagnostik und daraus resultierendem Phenacetinverbot zum Dank.

Mike war ein enthusiastischer akademischer Lehrer. Unter seiner Ägide wurden 25 Wissenschaftler habilitiert, neun wurden zu Chefärzten oder auf Lehrstühle berufen. Darüber hinaus strömten aus aller Welt „Fellows“ nach Basel, um bei und mit Mike das Handwerk der Befundung von Nierenbiopsien zu erlernen. Basel und Professor Mihatsch erlangten dadurch über die Jahre einen „weltweiten Ruhm“, insbesondere auch in Japan, der bis heute nachwirkt.  Trotz eines immensen Arbeitstempos im Institut für Pathologie des Universitätsspitals Basel war Mike für seine Mitarbeiter und für externe Konsultationen immer ansprechbar. Er kümmerte sich und sah sich oft als Vorkämpfer, immer bereit, Karrierewege zu ebnen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen. In seine Amtszeit fiel auch die Neustrukturierung des Instituts mit Einrichtung von vier Abteilungen sowie Bereitstellung von Fachpathologen mit je 2 Spezialgebieten. Diese, im deutschsprachigen Raum einmalige Organisationsstruktur, mit der man spezialisierten Klinikern auch entsprechend spezialisierte Pathologen als Ansprechpartner gegenüberstellte, wurde auch gern als „Basler Modell“ bezeichnet. Zum Erfolg dieser Umstrukturierung in Basel führte, davon war Mike Mihatsch überzeugt, auch sein bevorzugter Führungsstil „Management by going around“ bei– sprich mit Deinem Team, und lass alle zusammen an einem Strang und in eine Richtung ziehen. Zahlreiche weitere Aktivitäten ließen sich sicherlich auch als „Basler Modell“ beschreiben, so etwa die 75 über 20 Jahre am Institut für Pathologie abgehaltenen Kunstausstellungen und Vernissagen – immer nach dem Motto: there is life beyond Pathology. Dazu passt, dass es Mike Mihatsch niemals wichtig war, seine eigenen akademischen Leistungen groß hervorzuheben.

Das Wirken und die Anerkennung seiner Leistungen, zu denen mehr als 500 Publikationen gehören, wird nicht besser als durch die Preisverleihungen nationaler und internationaler Fachgesellschaften charakterisiert:

  • 1986 Franz-Volhard-Preis der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (zusammen mit Gilbert Thiel und Bernhard Ryffel)
  • 2009 Ehrenmitglied der Europäischen Gesellschaft für Pathologie
  • 2010 Life Time Achievement Award der Renal Pathology Society
  • 2014 Franz-Volhard Medaille der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie
  • 2017 Honorary Member of the Swiss Transplantation Society
  • 2019 Rudolf-Virchow-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Pathologie

Nach seinem Ausscheiden als Leiter des Instituts 2007 (Mikes Motto: „Ich gehe, aber ich bin nicht verschwunden“) blieb Prof. Mihatsch aktiv als Chair der European Working Group for Nephropathology, der Europäischen Gesellschaft für Pathologie, der Basler Kinder-Universität und in diversen Stiftungen, insbesondere der Stiftung „Krebskranke Kinder – Regio Basiliensis“, als Kongressorganisator und Editorial Board Mitglied.

Um Prof. Mihatsch trauert nicht nur seine Ehefrau und Familie, sondern ein großer Freundes- und Kollegenkreis weltweit.  Die  Nephrologie verliert einen inspirierenden Vordenker, exzellenten Wissenschaftler und empathischen akademischen Lehrer. Wie sagte es einer seiner Schüler treffend: „Keiner der je mit ihm gearbeitet hat, wird ihn vergessen“.

Wolfgang Pommer (Berlin/Potsdam)
Volker Nickeleit (Chapel Hill, USA)
Holger Moch (Zürich)

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