Impulspapier: Forschungsdatenzentrum Gesundheit soll Daten zusammenführen
DGfN fordert bundesweites Nierenregister
Deutschland plant die Nierenversorgung mit unvollständigen Daten
Mehr als neun Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer chronischen Nierenkrankheit, viele von ihnen ohne davon zu wissen. Rund 120.000 Patientinnen und Patienten erhalten aufgrund eines chronischen Nierenversagens eine Nierenersatztherapie – rund 100.000 davon eine Dialysetherapie, 20.000 sind nierentransplantiert. Dennoch ist Deutschland nahezu das einzige europäische Land ohne Dialyseregister. Zentrale Fragen lassen sich deshalb bislang nur eingeschränkt beantworten: Wie viele Menschen entwickeln jährlich ein dauerhaftes Nierenversagen? Wie lange leben Menschen in Deutschland im Durchschnitt mit einer Dialyse? In welchen Regionen steigt oder sinkt der Bedarf an Dialyseangeboten? Welche Patientengruppen werden besonders spät nephrologisch betreut? Wie unterscheiden sich Krankheitsverläufe und Behandlungsergebnisse je nach Alter, Geschlecht, Begleiterkrankungen oder gewähltem Nierenersatzverfahren? Und wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?
FDZ Gesundheit soll Datenquellen verknüpfen
„Ein Nierenregistersystem würde Versorgungslücken sichtbar machen, Krankheitsverläufe abbilden und zeigen, welche Patientinnen und Patienten von welchen Behandlungs- und Nierenersatzverfahren profitieren“, sagt Prof. Dr. med. Elke Schäffner, stellvertretende Direktorin des Instituts für Public Health an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Vorstandsmitglied der DGfN. „Ohne verlässliche und regional differenzierte Daten planen wir Personal, Dialysekapazitäten und Präventionsangebote im Blindflug.“
Das FDZ Gesundheit erschließt bereits die pseudonymisierten Abrechnungsdaten von rund 73 Millionen gesetzlich Versicherten. Nach dem Vorschlag der DGfN sollen dort künftig auch relevante Daten der externen Qualitätssicherung, des Deutschen Lebendspenderegisters SOLKID-GNR und des gesetzlichen Transplantationsregisters auf Patientenebene zusammengeführt werden. DGfN-Generalsekretärin Dr. med. Nicole Helmbold erläutert, dass das FDZ Gesundheit dafür einen ausdrücklichen gesetzlichen Auftrag benötigt. Zudem müssten die Vorgaben für die Übermittlung und Nutzung von Daten aus der externen Qualitätssicherung sowie aus dem Transplantationsregister angepasst werden.
Chance im laufenden Gesetzgebungsverfahren nutzen
Das derzeit im Bundestag beratene Medizinregistergesetz soll die Qualität, Vergleichbarkeit und Nutzung bestehender Register verbessern. „Das ist ein wichtiger Schritt, schafft aber noch kein Register für die Nierengesundheit“, betont Schäffner. „Die notwendigen Regelungen für ein bundesweites Nierenregistersystem müssen jetzt in das Gesetzgebungsverfahren aufgenommen werden. Nur so können wir Prävention, Früherkennung und Versorgung künftig evidenzbasiert und bedarfsgerecht planen.“
Bei Abdruck Beleg erbeten.
Quellen:
- Impulspapier der DGfN
- WHO-Resolution WHA78: „Reducing the burden of noncommunicable diseases through promotion of kidney health and strengthening prevention and control of kidney disease", Mai 2025
Terminhinweis:
Der nächste World Kidney Day ist am Donnerstag, 11. März 2027, www.worldkidneyday.org
Kontakt für Rückfragen:
Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)
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