Nierentransplantation
Das erste transplantierte Organ in Deutschland war 1963 eine Niere. Die Niere ist bis heute das meistübertragene Organ, gefolgt von Leber- und Herztransplantationen. Bei einer Nierentransplantation werden gesunde Organe von Organspendern auf einen chronisch terminal nierenkranken Menschen übertragen. Ziel dieser Operation ist es, dem Empfänger die Funktion seiner zerstörten Niere wiederzugeben. Obwohl pro Jahr etwa 2.000 bis 2.500 Nierentransplantationen vorgenommen werden - im Jahr 2008 wurden in Deutschland 2.188 Nierentransplantationen durch Organspende Verstorbener vorgenommen und 565 Nieren nach einer Lebendspende transplantiert- warten derzeit noch etwa 8.000 Dialysepatienten auf ein Organangebot (laut Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation). Die durchschnittliche Wartezeit für einen Patienten beträgt etwa fünf bis zehn Jahre.Die Nierentransplantation gilt heute als etabliertes Behandlungsverfahren, der operative Eingriff und die primäre, postoperative Nachsorge wird in spezialisierten Kliniken vorgenommen. Obwohl eine Nierentransplantation 50.000 bis 65.000 Euro kostet, verursacht sie bereits nach zwei Jahren weniger Kosten für das Gesundheitswesen, als eine über Jahre andauernde Dialysebehandlung. Die Dialyse kostet, abhängig davon welche Dialysebehandlung durchgeführt wird, pro Jahr zwischen 25.000 bis 50.000 Euro.
Postmortale Organspende
Die Mehrzahl der in Deutschland verpflanzten Organe stammt von hirntoten Patienten, die zu Lebzeiten für den Fall ihres Todes der Entnahme von Organen zugestimmt haben, z.B. durch das Ausfüllen eines Organspenderausweises. Ausgenommen von der Spende sind Menschen mit Gefäßerkrankungen, Diabetes und Krebserkrankungen.
Das Spenden einer Niere nach dem Tod ist nur möglich, wenn die Organe nach dem Ableben des Spenders in einem durchbluteten Zustand erhalten werden können - eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Transplantation. Die maximale Lagerungszeit der Niere ist zurzeit mit 36 Stunden festgelegt. Zur Festlegung der Gewebeverträglichkeit werden die entnommenen Organe typisiert und ein geeigneter Empfänger wird durch die für Deutschland (und die Benelux-Staaten) zuständige Organisation Eurotransplant (Sitz in Leiden, Holland) aus der Warteliste herausgesucht. Die weitere Organisation der Transplantation übernimmt in Deutschland die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Für alle juristischen Fragen in diesem Bereich gibt es seit Dezember 1997 das Transplantationsgesetz (http://www.medizinrecht.de/gesetze/transplantationsgesetz.htm). Um Missbrauch zu vermeiden, ist vorgeschrieben, dass die Feststellung des Hirntodes durch zwei qualifizierte Ärzte unabhängig voneinander durchgeführt werden muss. Diese Ärzte dürfen danach weder bei der Entnahme noch bei der Transplantation der Organe beteiligt sein.
Lebensspende
Es können auch lebende Menschen eine Niere spenden, in diesem Fall spricht man von einer sogenannten Lebendspende. Bei dieser Transplantation wird die gesunde Niere eines Spenders auf einen Empfänger übertragen, dessen Nieren in ihrer Funktionsweise stark beeinträchtigt sind. Ein gesunder Mensch mit guter Nierenfunktion kann eine Niere spenden, ohne in der Folgezeit Beeinträchtigungen durch das Fehlen des Organs befürchten zu müssen. Die verbleibende Niere genügt für ein normales, langes Leben. Lebendnierenspender müssen als Voraussetzung zwei normal funktionierende Nieren besitzen, dürfen weder an einer Herzkrankheit, Diabetes noch an übermäßigem Bluthochdruck leiden. Darüber hinaus muss er oder sie mit dem Empfänger verwandt sein, bzw. emotional nahe stehen, wie es etwa bei Ehepartnern der Fall ist. Der Gesetzgeber hat 1997 mit dem Transplantationsgesetz den rechtlichen Rahmen für die Lebendspende geschaffen. Dadurch wird sichergestellt, dass sie nur auf freiwilliger Basis, ohne finanzielle Interessen und mit möglichst geringem medizinischem Risiko für den Spender erfolgt. Lebendnierenspenden weisen eine sehr gute Erfolgsquote auf, innerhalb des ersten Jahres liegt sie bei 90%. Die Langzeitprognose ist in der Regel besser als nach einer Transplantation einer Niere von einem verstorbenen Spender.
Blutgruppeninkompatible Lebendspende
Knapp 10.000 Deutsche hoffen auf eine Spenderniere, jedoch beträgt die Wartezeit durchschnittlich mindestens fünf Jahre, bis ein passendes Organ zur Verfügung steht. Dies liegt einerseits an der niedrigen Spendebereitschaft, andererseits an den strengen medizinischen Voraussetzungen, die ein Spenderorgan erfüllen muss. Sie sind nötig, um Niere und Organempfänger so gut wie möglich aufeinander abzustimmen und Abstoßungsreaktionen von vornherein so gering wie möglich zu halten. Haben Spender und Empfänger beispielsweise nicht die gleiche Blutgruppe, wird die eingepflanzte Niere vom Abwehrsystem des Empfängers als Fremdkörper bekämpft und transplantierte Organ wird sofort abgestoßen. Durch intensive Forschung gibt es auch für dieses Problem heute Behandlungsmöglichkeiten.
War es früher häufig, dass ein Patient zwar einen „spendewilligen“ Angehörigen hat, der aber wegen ungleicher Blutgruppen medizinisch nicht geeignet war, so kann in einigen dieser Fälle heute trotzdem eine erfolgreiche Transplantation erfolgen. Dieses kommt besonders Patienten mit der Blutgruppe 0 zugute, die bisher stark benachteiligt waren, da ihnen bisher nur Organe der eigenen Blutgruppe transplantiert werden konnten.
Die blutgruppeninkompatible Lebendspende birgt zwar die Gefahr der akuten humoralen durch Antikörper vermittelten Transplantatabstoßung, jedoch kann diese heutzutage durch eine komplexe und spezielle Therapie angegangen werden.
Immunsuppression nach Nierentransplantation
Jede Spenderniere, und sei es auch eine von nahen Verwandten, erkennt der Körper zunächst als fremdes Gewebe. Deshalb reagiert er derart, wie er mit Fremdkörpern normalerweise umgeht: Er "schützt" sich davor, indem er mit Hilde des Immunsystem versucht, sie zu bekämpfen. Nach Transplantationen nennt man diesen Vorgang "Abstoßung".
In den Anfangsjahren der Transplantationsmedizin verstarben jährlich zwei von drei Menschen nach der Transplantation an Infekten oder Abstoßungsreaktionen. Heute gibt es Medikamente, die Nierentransplantierte vor einer Abstoßung wirkungsvoll schützen, und gleichzeitig hinreichend verträglich sind. Nach fünf Jahren funktionieren noch gut 80 Prozent der Spenderorgane.
Dennoch wird ständig nach neuen Wegen in der Immunsuppression gesucht und neue Therapiekonzepte werden entwickelt.